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HEART
Getanzte Einblicke in das Herz einer Frau
 -Von Frank Schildener-
Das Tanzprojekt „Heart“ ist im Lessingtheater zu sehen.
Für einen besonderen Abend gibt es viel Beifall in Wolfenbüttel.
Tänzerin Lise Pauton schuf in der Tanzperformance „Heart“ faszinierende Bilder.
Wer sich dem Tanzprojekt „Heart“ von Lise Pauton und Sebastiano Toma in Schubladen nähert, geht fehl. Zu sehen war Donnerstagabend auf der Bühne des Lessingtheaters eine expressionistische Performance, eine getanzte Allegorie, die Einblicke in das Herz einer Frau gibt.
Die Kulisse ist sparsam. Zwei helle Vorhänge auf der Bühne, ein Rollwagen, ein Sessel, ein paar Blumen, mehr nicht. Der Rest ist Lise Pautons starke Präsenz, die in ihrem Ausdruck an ein Produkt der Stummfilm-Ära erinnert, in dem Emotionen und Tageszeiten durch unterschiedliche Lichtfarben gekennzeichnet sind und den Mimen auf der Leinwand eine akzentuiertes mimisches und gestisches Spiel abverlangen.
Das Herz einer Frau nun, das Toma und Pauton in Szene setzen, lässt viel Raum für Interpretation: Tanz, Kontorsion und Ausdruck verschmelzen zu einer Reise durch das Herz einer Frau. Angst, Liebe, Freude, Trauer liegen eng beieinander. In einem expressionistischen Parcours gibt sie das befreite, das leidende, das jubilierende ebenso wie das trauernde Herz. Animalisch, bedacht, unruhig, schleichend, sich selbst zerfressend, am Ende entblößt und schließlich im gepanzerten Federkleid gen Himmel jubilierend.
Pauton bewegt sich bei alldem in beeindruckender Körperlichkeit und schafft eine in ihrer Gesamtheit überzeugende Choreographie mit faszinierenden Bildern. Die passt gottlob in keine Schublade, dauert dafür aber gut 70 kurzweilige Theaterminuten. Dank Pautons tänzerischer Vielseitigkeit und der wunderbaren Licht- und Klangbegleitung hallen sie noch lange nach.
Regisseur Toma war bereits mit „Little big World“ im Lessingtheater zu Gast und setzte andernorts die wunderbar abseitige „Tiger Lillies Freakshow“ in Szene. Die Freunde bibliophiler Kunst werden an der düsteren Graphic Novell „Himmel über Berlin“ nach dem gleichnamigen Wim-Wenders-Film, ihre Freude haben. Mit „Heart“ ist ihm erneut eine berührende Theaterarbeit gelungen, für die es Donnerstagabend großen Beifall gibt.
Braunschweiger Zeitung-03.02.2017 - Wolfenbüttel


HEART
Sebastiano Toma ist der Erschaffer des bahnbrechenden und einflussreichen Little Big World, einer atemberaubenden Mischung aus Zirkus, Musik und Bildern. Unter anderem ist er auch der künstlerische Leiter des European Youth Circus Festivals in Wiesbaden, und er kreierte die Graphic Novel Version des Wim Wender Filmklassikers Wings of Desire/Der Himmel über Berlin. Heart hat er gemeinsam mit der französischen Kontorsionistin und Performancekünstlerin Lise Pauton entwickelt. Ein schattenhaftes, verunsicherndes Theaterstück, das Pautons außerordentliche Körperlichkeit zur Schau stellt, begleitet von einer Musik, die irgendwo zwischen der Hollywood-Melodramatik der 1940er Jahre und bedrückend gruseliger Electronica angesiedelt ist.
Das Stück beschäftigt sich damit was wohl passieren würde, wenn wir es unserem Herzen erlaubten, über unseren Kopf zu bestimmen. Also Solo-Performerin ist Pauton, mit Verlaub, das Herz der Show. Mit ihrer unwiderstehlichen Präsenz ist sie mal wild und animalistisch, mal einschmeichelnd grazil. Sie spielt eine Figur, die dem Anschein nach in einem dunklen Zimmer eingesperrt ist, oder aber vielleicht freiwillig dort haust, mit von hinten beleuchteten weißen Stoffbahnen, die ein Fenster zur Außenwelt darstellen. Mit ihrem langen Vorhang aus dunklem Haar, anfänglich vor ihrem Gesicht hängend, das ihr bis über die Taille reicht, ist sie manches Mal mehr Kreatur denn Frau. Gleich zu Beginn stellt sie die Nerven der Zuschauer auf die Probe indem sie mit einer großen Gartenschere herumfuchtelt. Wird sie sich die Haare abschneiden? Den Kopf? Die Gliedmaßen?
Im Verlauf des Stückes wird sie schubweise immer besessener und dämonischer, wirft sich auf der Bühne umher in einem Strudel der Körperlichkeit, bevor sich alles verlangsamt und sie mehr bei sich ist und ruhiger wird. hre Kontorsion ist nicht nur eine Zurschaustellung von Körperlichkeit; wenn sie sich kopfüber verbiegt oder spinnenartig rücklings auf allen Vieren läuft, löst die Ungezwungenheit der Figur ein Gefühl der Freiheit aus. Heart zeigt uns Pautons Können, aber es gibt uns auch einen faszinierenden Einblick in eine körperliche Freiheit.
Adrian Arratoon, TheWidowStanton / 15.02.2017/ London
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DER HIMMEL ÜBER BERLIN
Die Graphic Novel-
»Auch ohne den genauen Vergleich mit dem Film ist diese Graphic Novel eine Freude, denn das wirklich Besondere ist, dass die Engel im Berlin von heute umherstreifen. Sebastiano und Lorenzo Toma haben mit ihrer Version von "Der Himmel über Berlin" eine doppelte Hommage geschaffen: auf die große Stadt und auf den großen Regisseur. So ist diese Graphic Novel sowohl ein Muss für Hauptstadt-Liebhaber, als auch für Verehrer von Wim Wenders. Zudem beweisen sie nonchalant, wie zeitlos und allgemeingültig Wenders Geschichte weiterhin ist.«
Letteraturen , von Ulrike Schimming

»Eine ungewöhnliche Neuinterpretation mit einer klaren, souverän komponierten Bildsprache. Diese kunstvolle Comic-Adaption ist eine bis ins Detail liebevolle Hommage an Berlin und den vor fast 30 Jahren uraufgeführten Film.  Eine ungewöhnliche Neuinterpretation eines bekannten Stoffes, der in jeden ausgebauten Graphic-Novel-Bestand für Erwachsene passt.
EKZ, David Cappel

Das vielleicht schönste Geschenk, das Wim Wenders zu seinem 70. Geburtstag am kommenden Freitag bekommt, stammt von zwei Männern, die den Filmemacher gar nicht kennen. 28 Jahre nach dem Kinostart seines Meisterwerks "Der Himmel über Berlin" haben Sebastiano und Lorenzo Toma eine gleichnamige Graphic Novel herausgegeben: ein Comic, das die Geschichte der Engel, die über die Berliner wachen, noch einmal erzählt. Nun aber verortet in der heutigen Hauptstadt, mit dem Sony-Center, dem Holocaust-Mahnmal und dem Molecule Man in der Spree, die es damals beim Dreh des Films noch gar nicht gab. Die neuen Kulissen passen ganz gut zu der altbekannten Geschichte, die dabei aber gar nichts von ihrer Poesie, ihrer Kraft verloren hat.......
Morgenpost - Berlin ,  von Peter Zander

.....Der Himmel über Berlin ist eine Ode an das Leben, ein filmisches Gedicht, das perfekt die von Peter Handke, Richard Reitinger und Wenders verfassten philosophischen Texte und die Bilder des Meisters des Lichts, des französischen Kameramanns Henri Alekan verbindet. Die Graphic Novel findet die Poesie im raum-und zeitlosen Bild. Den Stimmen und Gedanken, die sich im Film zu einem vielschichtigen Klangteppich knüpfen, muss man beim Lesen selbst die rhythmische Lebendigkeit einhauchen. Es könnte helfen, zur absolut lohnenden Lektüre Nick Cave and the Bad Seeds aufzulegen und so ein Stück weit den Rhythmus des Films wiederzufinden.....
filmbulletin, von Tereza Fischer

...... Die beiden Künstler sind keine klassischen Comiczeichner, sie arbeiten multimedial zwischen Film, Tanz, Theater und Musik. Gerne-Übergänge gewohnt, folgen sie in ihrer Adaption dem Drehbuch, den Protagonisten und Dialogen mit Respekt, aber nie sklavisch. Sie inszenieren aus harten Kontrasten und feinen Schattierungen eine Bilderwelt in Schwarz und Weiß, ergänzt nur von goldenen Einsprengseln.
Mehr Illustration als Graphic Novel, erschließen die Tomas Atmosphäre und Ästhetik und werden der Vorlage durchaus gerecht, auch weil sie sich statt einen schnöden Eins-zu-eins-Umsetzung Frei - und Spielräume erlauben. So habe sie die Handlung aus den 80ern in die Gegenwart verlegt, Ein radikaler Entschluß, der in diesem Fall funktioniert......
TIP Berlin, von Jacek Slaski

»Das poetische Meisterwerk "Der Himmel über Berlin" als modern interpretierte Graphic Novel. Die Bilder stellen die Filmaufnahmen von damals in eine kluge Beziehung zur Gegenwart.«
ZITTY

»Sebastiano Toma ist es gelungen, dem "Himmel über Berlin" neues Leben einzuhauchen. Die Graphic Novel besticht durch die Nähe zum Drehbuch, bietet aber auch eine ganz eigene Sicht.«
Stefan Voit, Oberpfälzischer Kurier
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LITTLE BIG WORLD
„Little Big World“, ein grandioser Gegenentwurf zu allen gängigen Sensationierungs-Shows, ist eine faszinierende Miniatur-Illusionsfabrik, in der Haifische am Himmel tanzen und Handys zum Fenster ins Leben werden. Worte braucht es da wirklich nicht mehr. Was diese artistischen Höchstleistungen so beeindruckend macht, ist die vermeintliche Leichtigkeit und Entschleunigung, mit der sie als Teil des poetischen Ganzen verschmelzen. „Little Big World“ gerinnt nie zur sterilen Nummern-Revue – es präsentiert die Menschen hinter der Kunst und erzählt ganz nebenbei märchenhafte Geschichten ..............
Wiesbadener Kurier - von Peter Müller

-Atemberaubende Tanz-Artistik-
Mit lang anhaltendem Applaus im Stehen feierte das Parktheater-Publikum am Sonntag die atemberaubende und höchst sinnliche Show „Little Big World“
Iserlohner Kreiszeitung
 
-Die Weltpremiere von „Little Big World“ begeisterte das Publikum im Kulturhaus-
.......Minutenlanger Applaus zeigte, dass die Erwartungen des Publikums mehr als erfüllt wurden..
Schwäbische Zeitung-Laupheim

„Little Big World“ eine Streicheleinheit für Augen und Ohr.
Schwäbische Zeitung-Friedrichshafen

-Bilder aus der Traumfabrik-
Bereits kurz nach Beginn der Vorstellung hat man alles um sich herum vergessen, weil einen die zauberhafte, poetische und fantastische Show in ihren Bann gezogen hat. Denn hier scheint alles möglich, hier werden Träume wahr....alles in allem eine überwältigende Show, von der man noch Tage danach schwärmen kann
Südkurier – Friedrichshafen

-Magische Poesie-
Die Besucher erlebten eine Poetische Reise zwischen Traum und Wirklichkeit, magisch und betörend schön.
Die Reinpfalz- Landau

-Das wichtige Nichtige-
„Little Big World“ reißt Publikum mit / Fantastische Bühnenshow.
.....Das Spiel von Licht und Schatten, von leidenschaftlich vorgetragener Musik wie durch den Geigenspieler Mark Chaet – all das lässt den Abend unvergesslich werden.
Schwarzwälder Bote –Villingen

-Atemberaubende Show - Mehr als nur Varieté-
Sechs erstklassige Musiker an Klavier, Klarinette, Geige, Cello, Kontrabass und Schlagzeug, die sämtliche Darbietungen begleiteten und fast pausenlos im Einsatz waren, brachten eine aufregende, farbige, moderne Musik zu gehör, die sich meist vorwärts strebend und dramatisch zeigte.......
....Ergänzt wurde das Sextett durch eine hervorragende Sängerin, die im Stile der Zwanzigerjahre auftrat. Die brillante Spielweise und Virtuosität der Ausführung, die ganz besonders in einzelnen Solos hervortrat, machte den musikalischen Teil der Vorstellung allein zu einem vollgültigen Konzert.
Pirmasenser Zeitung

-Musikalisch-artistisches Gesamtkunstwerk-
...Kongenial die Musik die Mark Chaet für die ganze Produktion komponiert hat.
.....Eine solche Verknüpfung verschiedener Genres, gepaart mit verblüffenden visuellen Tricks, erlebt man selten. Die Show – das Wort dient eigentlich eher als unzureichende Krücke – zwischen der realen (Bühnen-) Welt und er visuelle erzeugten erwies sich als spannend und was die perfekte Artistik betrifft hochklassig.
Die Reinpfalz - Pirmasens

-In wundersame Phantasiewelten entführt-
Donnernder Applaus für einen ganzen Abend, der für zwei Stunden in wundersame Phantasiewelten entführte.
Recklinghauser Zeitung

-Eine Faszinierende Welt Traum und Tag erlebt-
Das war wunderbar! Man rieb sich, als Zuschauer, vor Verwunderung und Staunen die Augen. Angesicht visueller und künstlerischer Impressionen, die Gigantisch und grandios waren, die eine faszinierende Welt (wie) zwischen Traum und Tag widerspiegelten. Eindrücke aus der Realität, und deren technische-optischen Umsetzung zu einem anderen Format, schufen einen neuen, reizvollen, künstlichen Kosmos.
....Einfach irre (gut), dieses Konzept und diese Artisten......
Wolfsburger Nachrichten


-Little Big World als magische Wundertüte-
Musik und Gesang, Tanz und Jonglage, nie zuvor gesehene Akrobatik.....
....Nicht enden wollender Beifall und Standing Ovations.
WAZ-Wolfsburg


-Wenn Worte wahrlich Überflüssig sind-
Das war große Oper am Dienstagabend im Stadttheater. Dabei kam die poetische Reise in die „Little Big World“
(Kleine große Welt), zu der Regisseur und Ideengeber Sebastiano Toma einlud, fast ohne Worte aus. Dafür verwöhnte Musik und Bilder mit ästhetischer, verschwenderischer Opulenz.
Amberger Zeitung


Little Big World“ im Schlosstheater FULDA :_ Show der Superlative
13 ist eine Glückszahl: 13 Personen bieten mit „Little Big World“ eine Show der Superlative. 13 Palm-Äste und eine Frau sorgen für den Höhepunkt des Abends, dessen Faszination noch lange nachwirken wird.

Das Gesamtkunstwerk, an dem sich am Dienstagabend im Fuldaer Schlosstheater ein hingerissenes Publikum ergötzt, ist eine neue Produktion des fantasiebegnadeten Sebatiano Toma. Seine Kombination aus vollendeter Körperkunst, aus geheimnisvollen Videoinstallationen, aus schier unglaublichen Bühneneffekten und eigens komponierter, mitunter virtuoser Livemusik zieht jeden Zuschauer vom ersten Augenblick an in einen wundersamen Bann. Egal welchen Alters: Diese Zauberwelten gehören Erwachsenen  und Kindern gleichermaßen.

Toma hat sich vom italienischen Dichter Giacomo Leopardi inspirieren lassen, der erkannte: „Die Kinder finden im Nichts das Gesamte, die Erwachsene im Gesamten das Nichts.“ Aus wenig erschafft der Ausnahmekünstler viel. Seine „Little Big World“ nimmt mit auf eine Reise in eine Welt voller großer und kleiner Wunder.  Das Entstehen seines Universums beschreibt er so: „Ich schaue in mein kleines Aquarium und sehe, wie ein Haifisch mit einer Frau tanzt, ich öffne eine Schublade und die Scheren fangen an zu marschieren. Die Bücher auf dem Regal werden zu Hochhäusern und mein Mobiltelefon ist eines der Fenster ...“

All das erlebt das Publikum und noch mehr: Dabei braucht Toma nur wenig für seinen Mikrokosmos: Modelllandschaften, einen Globus, Kunstschnee, einen Tischventilator. Auf der Bühne steht eine winzige Bühne: etwa 120 mal 80 Zentimeter.  Ein Papiertheater, dessen Welt mit ihren Alltagsgegenständen zum Leben erweckt wird und per Videoprojektion zum großen Bühnenbild gedeiht. Voll von visuell ungewöhnlichen und immer wieder verblüffenden Ideen stecken Tomas bezaubernde und verzaubernde Geschichte. Sie wird von einem 13-köpfigen hochprofessionellen Ensemble gesungen, getanzt und mit den Körpern erzählt.

Was die Show bietet, das gereichte auch dem Circus Roncalli oder dem Cirque du Soleil zur Ehre. Deshalb müssen genannt werden: Cristana Casadio, eine Top-Tänzerin; Stefan Sing, ein Jongleur der Spitzenklasse, der mit Bällen zaubert; die Kontorsionsmeisterin Leilani Franco, die sich in unglaubliche Positionen verbiegen und verdrehen kann sowie die perfekten Hand-auf-Hand-Akrobaten Philipp Thimm und Katrin Hauf.

Für das wahrlich atemberaubende Glanzlicht des Programms sorgt aber die charismatische Japanerin Miyoko Shida mit ihrer Sanddornbalance: 13 Palm-Äste vereint sie zu einer schwebend leichten Skulptur, von einer Vogelfeder im Gleichgewicht gehalten. Ein phänomenales Kunststück.

Lob gebührt auch den sieben Musikern unter Leitung von Mark Chaet, der die südamerikanisch orientierte Begleitung komponiert hat. Vokale Extraklasse vertritt Sängerin Momo Kahlschmidt mit ihrer ausdrucksstarken, erotischen Stimme.

Das Publikum spendiert immer wieder Szenenapplaus, den stärksten für Miyoko Shida, und feiert das Ensemble mit nahezu frenetischem Schlussbeifall. Wofür sich die Truppe mit einer originellen Zugabe revanchiert: Zum Abschied marschieren alle 13 mit Koffern auf, deren Rückseiten – kleine Häuserfronten – zurück in den einzigartigen Kosmos des Bühnenpoeten Toma führen.
Fuldaer Zeitung  - Von Christoph A. Brandner

Kleine Welt ganz großartig
"Little Big World" kommt auch beim jungen Publikum im Amberger Stadttheater gut an.
Von Johann Frischholz

Mit "Little Big World" gastierte ein außergewöhnliches Tanztheater in Amberg. Die Mischung aus cineastischer Musik- und Akrobatik begeisterte das Publikum. Es gibt sie also doch, die Theateraufführungen, für die selbst Jugendliche mal den Fernsehsessel verlassen und dem heimischen Computer eine Atempause gönnen. Ein deutlich verjüngtes Publikum füllte Samstagabend die Sitzreihen im Amberger Stadttheater, um sich auf "eine poetische Reise voller Artistik zwischen Traum und Wirklichkeit" - wie das Programmheft versprach - entführen zu lassen. Die jungen Leute - und nicht nur sie - wurden nicht enttäuscht! Bei Sebastiano Tomas Produktion "Little Big World" fiel es schwer, sich zu entscheiden, was bewundernswerter ist, die raffinierten Choreographien, die akrobatischen Elemente, die Musik oder ganz einfach die perfekte Verbindung all dieser Bestandteile.
         - Richtige Spannung
Der Musik, die beim Tanztheater ja meist nur aus der Konserve kommt und aus bunt zusammengewürfelten Einzelstücken besteht, hat bei "Little Big World" einen entscheidenden Anteil am Gesamtkonzept. Das Instrumental-Quintett auf der Bühne, bestehend aus dem Klarinettisten Pawel Kuterbach, Giorgio Radoja am Klavier und den Streichern Igor Spallati, Dalai Theophilopoulou und Mark Chaet, der die Stücke auch komponiert hat, bildete die Klammer, die das Ganze umspannte und zusammen hielt. Die stark an der Minimal Music orientierten Klänge sorgten für die richtige Spannung, die sich dann mit den jeweiligen tänzerischen und akrobatischen Höhepunkten entlud. Dafür gebührt den Musikern höchste Anerkennung.

Und Höhepunkte gab es einige zu sehen. Ob Erika Nguyen am Luftring oder Rosa Tyyskä mit dem Cyr-Rad, der Jongleur Jimmy Gonzalez oder Leilani Franco, die ihrem Körper scheinbar völlig unmögliche Verrenkungen zumutete oder Dinh & Anh mit ihrer Hand-auf-Hand-Nummer, die, das sei hier bemerkt, von den Akteuren enorme Präzision und auch ein gewaltiges Vertrauen in die Kraft und das Können des Partners verlangt.
       - Stürmischer Beifall
Aber dies waren eigentlich nur einzelne, wenn auch ziemlich sensationelle Nummern, wie man sie auch im Zirkus zu sehen bekommt. Sie erhielten zwar berechtigten Zwischenapplaus, jedoch honorierte das Publikum erst zum Schluss das Gesamtkunstwerk "Little Big World" mit dem höchst verdienten stürmischen Beifall für das ganze Ensemble. Denn neben den einzelnen Meisterleistungen waren es die poetischen Choreographien von Sofie Spyratou, die das Besondere dieses Gastspiels ausmachten. Bei aller Schönheit und Eleganz gab es dabei auch einige kritische Untertöne, die auf die übertriebene Hektik der urbanen Gesellschaft und ihren Zwang zur steten Kommunikation per Mobil-Telefon abzielten.
Verstärkt wurde der Eindruck der einzelnen Szenen auch durch den Bühnenprospekt. Hier hat sich die Truppe etwas höchst charmantes ausgedacht. Der Hintergrund wurde nicht wie so oft per Dia- oder Powerpoint-Präsentation auf die Leinwand projiziert, sondern entstand zeitgleich mit den Vorführungen. Zu diesem Zweck war auf der Bühne ein Tischchen aufgebaut, auf das die Live-Kamera gerichtet war. Darauf wurden die kleinen Welten aufgebaut, die dank der Technik dann für den Zuschauer ganz groß und detailreich zu sehen war. So entstand ein Gesamtbild aus Bühnenrealität und Projektion - sogar einmal mit einer Projektion in der Projektion.
             - Zusätzlich Dramatik
Bei "Little Big World" stimmte einfach Alles: einfallsreiche Choreographien, zirkusreife Akrobatiknummern, zauberhafte Bühnenbild-Projektionen und eine Musik, die das Geschehen kongenial kommentierte und ihm zusätzliche Dramatik verlieh. Bleibt zu hoffen, dass sich einige der jungen Theater-Neulinge auch so dafür begeistert haben, dass sie einen positiven Eindruck mit nach Hause nahmen, der sie künftig öfter mal in den Musentempel zieht.
Amberger Zeitung - Von Johann Frischholz
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Reise in die Welt der Fantasie
Die faszinierende kleine, große Welt des Theaters
Hier ist jedes Wort überflüssig. Tanz, Akrobatik, Körperkunst und Musik verschmelzen zu einem Gesamtkunstwerk, das der Schöpfer Sebastiano Toma „Little Big World“ nennt und mit dem die Theatersaison im Wolfgang-Eychmüller-Haus eröffnet wird.
Sebastiano Toma gilt als kreativer Kopf dieser ungewöhnlichen Produktion. Toma vermischt Artistik, Pantomime, ungewöhnliche Choreografien und einen Hauch Humor zu einem Abend, der die Sinne anspricht. Behutsam, leise, mit wirkungsvollen Videoeffekten und mit kreativer Musik von Mark Chaet wächst ein Zauber, der sich behutsam wie ein Schleier im Saal ausbreitet. Es entsteht eine Atmosphäre der Ruhe, gelegentlich unterbrochen vom spontanen Beifall der Besucher nach fulminanten akrobatischen Darbietungen.
Gesprochen wird nichts. Zu hören sind nur die Instrumentalisten. Eine Handlung gibt es nicht und braucht es auch nicht. Die Bilder, die auf eine Großleinwand projiziert werden, sprechen für sich. Sie strahlen eine zauberhafte Magie aus, der sich die Zuschauer nicht entziehen können. Toma arbeitet mit Protagonisten auf der Bühne und einer raffinierten Technik, die man von höherer Warte aus im Visier hat und entdeckt, dass manches so einfach ist, aber große Wirkung erzeugt.
Es ist eine uralte Tradition, die Toma wieder entdeckt - das Papiertheater. Das gab es schon Anfang des 19. Jahrhunderts. Ein Segelschiff dümpelt langsam durch die Wellen, vorbei an den Häusern einer Stadt. Durch raffinierte Lichttechnik wird daraus ein imposanter Segler auf schaukelnden Wellen. Durch ein Mini-Aquarium werden von Hand kleine Quasten gezogen und auf der Leinwand entsteht eine mystisch anmutende Welt unter Wasser.
Die Figuren auf der Bühne bewegen sich anmutig, sie schweben geradezu in diesem einmaligen Szenario. Die Besucher erleben eine Art Leichtigkeit des Seins, an dem sich die Zuschauer zwei Stunden lang erfreuen können. Es ist Entspannung pur. Zum Schluss gibt es begeisterten Applaus. Es war ein wirklich ungewöhnlicher Start in die neue Abo-Saison.
Augsburger Allgemeine - Von Ursula Katharina Balken
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Ein wunderbares Zirkusmärchen
Little Big World im Burghof.
Little Big World heißt die neueste Produktion von Sebastiano Toma, die im Burghof für Furore sorgte. Von den Zuschauern erntete dieses hochdramatische Spektakel aus Tanz, Akrobatik und Videoinstallationen stehenden Applaus.

Schon der Beginn ist außergewöhnlich für ein Showprogramm, denn wie beim Zirkus in anderen Zeiten eröffnet ein leibhaftiges Orchester den Abend mit einer satten experimentierfreudigen Ouvertüre, in der opernhaft alle Themen des Abends angelegt sind. Noch drückt sich Hochspannung, Lebensfreude und Melancholie in der Musik aus. Das Großartige, die Musik, bleibt bis zum Ende den Akteuren gleichwertig. Obwohl in Anbetracht von atemberaubender Akrobatik das Zuhören zwar zur Nebensache, aber zur wesentlichen verkommt.

Wie die Musik ist auch das Bühnenbild ein essentieller Bestandteil des Programms. Hier drückt sich der Titel der Produktion am deutlichsten aus. Was auf der großen Leinwand zu sehen sein wird, wird im kleinen Guckkasten am linken Bühnenrand produziert, gefilmt und an die Rückwand projiziert. Und was im Puppenhausformat pittoresk wirkt, erhält in der leinwandgroßen Projektion einen poetische zweite Bedeutung. Groß mag die Welt gewaltig sein, sie ist es aber auch schon im Kleinen, im abgeschlossenen Kosmos der Puppenhausbühne.
So spielt die neueste Produktion des Hamburger Theatermannes Sebastiano Toma mit unterschiedlichsten Wahrnehmungen gleichzeitig. Er fordert ein Multitasking an Rezeption ein, was aber nicht schwerfällt, denn die vielen unterschiedlichen kleinen Geschichten, aus denen sich die "kleine große Welt" zusammensetzt, verbindet die Leichtigkeit, mit der sie erzählt werden.

Eine scheinbare Gummipuppe
Gummimenschen, oder besser Kontorsionisten, verblüffen durch ihre unglaublichen Körperdrehungen. All das wird Leilani Franco auch noch tun, doch zu allererst verblüfft sie, weil ihr scheinbar alle Knochen fehlen. Sie ist eine Gummipuppe, alles ist weich, fließt, nichts scheint fest zu sein bei ihr. Immer mehr Leben erhält sie, um schließlich später die Grenzen des Gewöhnlichen zu überschreiten. Stefan Sings Jonglage ist am Anfang ein kontrolliertes Spiel mit einem Ball, hochpräzise, doch den Atem stocken lässt das Feuerwerk mit den sechs Bällen.
Sebastiano Toma arbeitet mit den Mitteln des Nouvelle Cirque, Circensisches wird mit Theatermitteln verbunden, um so eine neue Wahrnehmung zu bekommen. Die gezeigte Höchstleistung des Körpers geht mit Poesie einher, was die Wahrnehmung sinnlicher werden lässt. Die große Welt hinten auf der Leinwand ist doch nur Abbild der Einfälle aus dem Guckkasten. Zwar schwimmen auch Schiffe über die Leinwand, oder Haifische durch den Himmel. Doch Sebastiano zieht neben diesen fast archaischen Motiven, die Attribute der Moderne in seine Produktion mit ein: Handys und Koffer. Ganz zum Schluss werden die Koffer zur Skyline einer modernen Stadt. Toma setzt sein wunderbares Zirkusmärchen im hier und bald an und nicht im "es war einmal".
Ein zauberhafter Abend !!
BADISCHE ZEITUNG
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Sebastiano Tomas „Little Big Wolrd“ begeistert bei den Maifestspielen.
WIESBADEN - Eine prall gefüllte Wunderkiste voller magischer kleiner Dinge und begnadeter Körperkunst. Regie-Phantast Sebastiano Toma, schon 2011 mit seiner kultigen „The Tiger Lillies Freakshow“ bei den Maifestspielen stürmisch gefeiert, entführt im Großen Haus für zwei viel zu kurze Stunden in ein Traumtheater der poetischen Art. „Little Big World“, ein grandioser Gegenentwurf zu allen gängigen Sensationierungs-Shows, ist eine faszinierende Miniatur-Illusionsfabrik, in der Haifische am Himmel tanzen und Handys zum Fenster ins Leben werden. Worte braucht es da wirklich nicht mehr.
              - Bonsai-Bühne
„Das Kind findet im Nichts das Alles – der Erwachsene im Alles das Nichts.“ Vielleicht kommt der Satz des italienischen Dichters Giacomo Leopardi – für Regisseur Toma so etwas wie die Inspiration zu diesem Bühnenwunderwerk – dem Zauber seiner „kleinen großen (Phantasie-)Welt“ noch am nächsten. Zu beschreiben ist das fantastische Ganze, das sich da abspielt, schwer. Wie soll man es auch nennen: Theatralisches Varieté? Circensisches Bildertheater? Kopfkino für Fortgeschrittene? Es ist von allem etwas, und mehr.
Die Zutaten: Da wäre zunächst ein fünfköpfiges Orchester um Violinist Mark Chaet, der auch die Musik für „Little Big World“ komponiert hat. Dann, am Bühnenrand und in der Werkstatt-Atmosphäre sinnigerweise fast zu übersehen, eine Bonsai-Bühne, die einem Puppenstudio entliehen sein könnte.

Davor: eine Videokamera, die zuweilen auf den Kopf gedreht jene surrealen Episoden, die das Ensemble dort mit Packpapier, Scheren oder Alltagsgegenständen zaubert, auf die 32 Quadratmeter mächtige Leinwand im Hintergrund projiziert. Diese zuweilen geheimnisvollen, weil eben wie
unterm Mikroskop betrachteten Tableaus aus Pappmaché-Hochhäusern, Modell-Landschaften oder einem Aquarium, in dem Chiffon-Schals in Zeitlupe tanzen, geben mit der Livemusik und dem in jeder Sekunde sinnlichen Gesang von Momo Kohlschmidt den Rahmen für ganz unterschiedliche Künstler: Cristana Casadio etwa, die gleich zu Anfang von Partner/„Puppenspieler“ Stefan Sing als „leblose“ Marionette durch den Bühnenraum geschraubt wird – ohne Schnüre, versteht sich. Um gleich darauf, wie von Geisterhand belebt, ein Pas de deux mit drei Jonglage-Bällen zu zelebrieren.

Dann Schlangenfrau Leilana Franco, die mit ihrem Körper unfassbare Dinge anstellt und mal eben auf dem Bauch liegend hinterrücks ihre Zigarette, mit dem Fuß zwischen die Lippen schiebt. Schließlich Philipp Timm und Katrin Hauf, die am pupurfarbenen Band atemberaubende Paarakrobatik unterm Theaterdach vollführen.
         - Artistische Höchstleistungen
Was diese artistischen Höchstleistungen so beeindruckend macht, ist die vermeintliche Leichtigkeit und Entschleunigung, mit der sie als Teil des poetischen Ganzen verschmelzen. „Little Big World“ gerinnt nie zur sterilen Nummern-Revue – es präsentiert die Menschen hinter der Kunst und erzählt ganz nebenbei märchenhafte Geschichten von Luftballon-Haien, Spielzeug-Pferden oder ganz realen Getriebenen, die gesenkten Kopfes, mit dem Handy am Ohr, aneinander vorbeihasten. In „Little Big World“ scheint alles möglich, selbst dass der Rotwein in Richtung Theaterhimmel ins Glas fließt. Großer Applaus.
Wiesbadener Kurier
Von Peter Müller
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Amy Winehouse gespiegelt in der Kontorsionistin
Little Big World in Offenburg.

OFFENBURG. Artistik, Musik, Film, Tanz, Materialtheater – zu viel für eine Show? Auf jeden Fall viel Gutes. "Little Big World" in der Oberrheinhalle in Offenburg war ein Erlebnis. Die Show von Sebastiano Toma (ehemals verantwortlich für die Fliegenden Bauten in Hamburg, das Meerkabarett auf Sylt und zwei Shows der Tiger Lillies) wirbt mit dem abgedroschenen Slogan "zwischen Traum und Wirklichkeit". Das sagt nun leider gar nichts über dieses Gesamtkunstwerk, das sich aus Stummfilmästhetik und osteuropäischer Zirkuskultur, Laterna Magica-Tradition und Musik der Moderne, Freakshow und Videokunst speist.

Natürlich muss man einen solchen Overkill an Kultur-Zitaten mögen, um das knapp zweistündige Event genießen zu können. Dem Publikum in Offenburg – in ungewöhnlicher Altersmischung von acht bis achtzig – gefiel es offensichtlich. Die Band um den aus der Ukraine stammenden Komponisten und Geiger Mark Chaet ist eine Wucht. Druckvoll und emotional, immer ein wenig am Abgrund entlang, spielen die fünf Musiker ihre expressionistische Klangcollage, die unzeitgemäß klassisch daherkommt. Minimalistische Ansätze, Weltmusik, Jazz, Folk, russische Musik des 20. Jahrhunderts – überall bedient sich Chaet, doch nichts bleibt Zitat, alles fügt sich ein in ein großes Ganzes, das ohne weiteres einen spannenden Konzertabend tragen könnte.

Zweites Element sind die fünf Artisten und Tänzer, die dank der klugen Inszenierung von Sebastiano Toma und der Choreographie von Sofia Spyratou keine Nummernrevue abliefern, sondern in bewegten Bildern eine assoziative Geschichte erzählen. Eine sehr kreative Jonglagenummer von Jimmy Gonzalez ist zugleich ein Pas de deux, die Kontorsionistin Leilani Franco stellt ihre Beweglichkeit nicht einfach aus, sondern verkörpert eine schlingernde Persönlichkeit ohne Halt im Leben, eine pantomimische Wiedergängerin von Amy Winehouse. Dazu kommt eine Luftring-Performance (Erika Nguyen), Hand auf Hand-Artistik (Dinh & Anh) und eine spektakuläre Roue Cyr-Darbietung von Rosa Tyyskä, bei der dem Publikum der Atem stockte.

Warum das Ganze dann so anders wirkte als ein Varieté? Weil rechts auf der Bühne eine kleine Puppenbühne bespielt wurde. Das Geschehen dort wurde per Kamera live auf den Bühnenhintergrund übertragen. Übergroße Scheren bedrängen eine einsame Tänzerin, surrealistische Stadtlandschaften bieten die Kulisse für die Artistik. Das alles vertieft die Dimension von Show und Musik. Und wenn der Kopf und die Hände einer Schauspielerin übergroß zwischen den Häuserfassaden auftauchen, ist das mehr als nur ein Godzilla-Filmzitat. Sehr verdient großer Applaus und Bravos.

von: Juliana Eiland-Jung
Badische Zeitung
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Abendveranstaltung im Mühlacker Mühlehof begeistert 300 Zuschauer-
Varieté, Konzertabend, Videokunst oder Akrobatik? Keinem dieser Genres ließ sich das, was Regisseur Sebastiano Toma am Samstagabend unter dem Titel „Little Big World“ im Senderstädter Mühlehof auf die Bühne brachte, wirklich zuordnen. Fakt ist:
Die Veranstaltung war nicht nur für die rund 300 Besucher, sondern auch für die Verantwortlichen der örtlichen Volkshochschule Neuland. Deren Leiterin Katja Rohloff brachte es im Vorfeld der Veranstaltung auf den Punkt: „Dieser Abend fällt etwas aus dem Rahmen. Es war vorab schwer in Worte zu fassen, was bei „Little Big World“ überhaupt passiert“, meinte sie. Eines war nach diesem Kulturereignis jedoch sicher: Das, was sich da auf der Bühne des Gottlob-Frick-Saales abspielte, war herausragend.

Von Beginn an wurden die Besucher mittels Musik, Videoprojektionen, Tanz und Akrobatik in eine psychedelisch anmutende, farbenfrohe Traumwelt entführt. Die künstlerischen Elemente, derer sich das Ensemble bediente, waren vielfältig: Ein Aquarium, in dem zwei Vorhangquasten bewegt wurden, entwickelte sich auf der Leinwand plötzlich zu einer fluoreszierenden Unterwasserwelt, in der die Quasten sich als zarte Seeanemonen im Wasser wiegten. Kleine Papierhäuser und Pappautos wurden mittels Projektion zu einer Großstadt mit Verkehr und damit zum lebendigen Bühnenbild.

Die Darsteller boten Akrobatik auf höchstem Niveau: Das vietnamesische Artistenduo Dinh & Anh ließ das Publikum mit seinen waghalsigen Kunststücken den Atem anhalten. Rosa Tyyskä faszinierte im Roue Cyr, einem großen Stahlreifen, der an ein Rhönrad erinnerte. Leilani Franco demonstrierte als Schlangenfrau, dass man auf dem Kopf stehend rauchen und trinken kann.

Ergänzt wurde das Ensemble durch die Sängerin Momo Kohlschmidt und Instrumentalsolisten. Die Begeisterungsstürme der Zuschauer zum Ende der Veranstaltung machten Mut, in Mühlacker auch zukünftig wieder kulturelles Neuland zu betreten.

Pforzheimer Zeitung -
bbk
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THE TIGER LILLIES FREAKSHOW
..........eine herrliche-schöne Kampfansage an das Sein.
(Süddeutsche Zeitung)

........Im Grunde sind sie eine einzige Provokation. Ihre neueste Show aber treibt
dieses Spiel, dass sie seit ihrer Gründung 1989 perfekt beherrschen, auf einen
grandiosen Höhepunkt. Es sind nur zwei Stunden, die die Tiger Lillies da auf der
Bühne verbringen. Aber sie sind einfach umwerfend.
(Süddeutsche Zeitung)

...............Die Tiger Lillies machen eine einmalige Show aus Varieté, Pop- und
Rockkonzert.
(Spiegel Online)

.........Eine vom Kultregisseur Sebastiano Toma mit reichlich englischem Humor
auf die Bühne gezauberte Performance, die fasziniert.
(Donaukurier)

Was diesen Tiger-Musikfreaks an diesem Abend gelingt, ist, uns blenden zu
unterhalten und gleichzeitig zur Erkenntnis zu bringen, daß Freak-Sein etwas
ganz Normales ist.
(Münchner Merkur)


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"The Tiger Lillies Freakshow"
Alles so schön kaputt hier

Schlangenfrauen, Kleinwüchsige, schräge Musik: "The Tiger Lillies
Freakshow" feiert Deutschland-Premiere. Statt auf Kasperletheater und Sex
mit Schafen konzentriert sich die Band dieses Mal auf poetische Daseins-
Fragen.
Sehen Sie, staunen Sie, treten Sie näher. Der Mann mit dem Vogelkopf, Miss
Crassé, das Tigermädchen, Prinzessin Kolibri, die kleinste Dame der Welt, der
lange Josef, der größte Soldat der preußischen Armee, Lionel, der Löwenmensch,
der kleinste Matrose vom großen Ozean - so plapperten die Besitzer der
Kuriositätenkabinette und priesen ihre Schaubuden-Freaks auf den Jahrmärkten
Ende des 19. Jahrhunderts an.
Das Spektrum war enorm. Und die Illusion spielte auch keine unwesentliche Rolle.
Wie bei der "Frau ohne Unterleib" oder der "Enthauptung einer lebendigen Person
mit der Guillotine" beim Jahrmarkt-Theater Schichtl, das es bis heute auf dem
Oktoberfest in München gibt.
Die schöne nackte Tänzerin
Auf der Theresienwiese, auf der beim Oktoberfest vor zwei Monaten noch ein
Kuriositätenkabinett erwachsener Alkoholleichen, die Dirndl-Revue unbekannter
Moderatorinnen und die Show besoffener Bundesliga-Stars zu bestaunen war,
zeigen sich nun im Grand Chapiteau, dem großen Zirkuszelt, folgende Freaks:
Siamesische Tänzerinnen im roten Abendkleid, die blutende Frau, die schöne
nackte Tänzerin mit den längsten Haaren der Welt, die Frau mit drei Herzen,
Kleinwüchsige in Ringelhemden und eine Riesenmarionette mit sechs Armen. Mit
diesen seltsamen Geschöpfen wartet die englische Band "The Tiger Lillies" auf -
bei der Deutschlandpremiere ihrer "Freakshow".
Die Band ist bekannt dafür, dass sie stets mehr bietet als die pure Musik:
irgendetwas zwischen Konzert und Theater. In der "Freakshow" zum Beispiel trägt
der Sänger Martyn Jacques weiße Theaterschminke und einen riesigen
aufgeschminkten schwarzen Mund.
Er singt viel zu hoch und spielt ein Akkordeon mit grünen Tasten. Und auch Adrian
Stout am Kontrabass und Adrian Huge am Schlagzeug sind für ihre Outfits
berüchtigt. Noch berüchtigter allerdings sind ihre freundlich-melodischen Songs,
deren hinterhältige und fiese Texte schon mal für Ärger sorgen. Das Lied "Sheep"
etwa führte in Moskau 2001 zu einem Eklat: Die Bandmitglieder wurden in der
russischen Presse als "Satanisten" beschimpft, weil es im Text um intensiven Sex
mit Schafen geht.
Der Mann mit dem blutenden Herzen
Nach ihrem schaurigen "Sieben Todsünden"-Kabarett inklusive süßlicher
Moritaten, Vaudeville-Charme, dämonischem Lachen von Martyn Jacques und
Kasperletheater auf der Bühne hat der Theaterregisseur Sebastiano Toma nun die
poetische "The Tiger Lillies Freakshow" inszeniert, die die Band begleitet.
In der Inszenierung geht es dieses Mal nicht um Todsünden, sondern laut
Regisseur Toma um viel melancholischere Fragen: "Reichen sechs Arme aus, um
einen Menschen zu trösten?" Oder auch "Wie viele Herzen muss eine Frau haben,
um all ihr Schicksal zu ertragen?" Es ist ein heiteres Wahrnehmungsspiel mit
körperlichen und seelischen Defekten. Die Botschaft soll sein: Was unter der Haut,
im Kopf und im Herzen für Makel und Fehler schlummern, kann das Gegenüber
oft noch mehr ins Staunen und Raunen versetzen als ein drittes Bein.
Sehen Sie, staunen Sie, treten Sie näher! Der somnambule Workaholic, die Frau
mit dem lautesten Tinnitus der Stadt, der Mann mit dem blutenden Herzen!
Tatarata! Und Tusch.
Spiegel Online
Von Nora Reinhard
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Süddeutsche Zeitung Online 27.11.2009
Die einzig wahre Freakshow
Die Tiger Lillies suchen Tollwood heim. Die Briten sind nichts als
Provokation. Eine herrlich-schöne Kampfansage an das Sein.
Von Lars Langenau
Es mutet bizarr an, wenn Kleinwüchsige als Freaks bezeichnet werden. Zumal
auf der Bühne. Man ist seltsam berührt, wenn Liliputaner Miniatur-Zirkuswagen
über die Bretter ziehen und der Frontmann der Tiger Lillies, Martyn Jacques,
dazu sein Falsett anstimmt. Was machen die da?
Eine echte "Freakshow", so wie der Titel ihrer Show es ja ahnen ließ? Den
Versuch, die Grausamkeiten des Zirkus der Jahrhundertwende und der Gaukler
des Mittelalters wiederauferstehen zu lassen? Zeiten, in denen Menschen
anderer Völker wie wilde Tiere vorgeführt wurden? Ja, man ist versucht, dies
dem britischen Trio unterstellen zu wollen.
Doch nach ganz kurzer Irritationsphase verschmelzen das grandios düstere und
abgewrackte Bühnenbild, die tragischen Songs, die skurrilen Protagonisten zu
einer Szenerie, in der alles Absonderliche normal wird. Und wunderschön, weil
so fremdartig. Schön fremd. Und sie regen an zur Selbstreflexion. Denn wer ist
der Freak? Die da auf der Bühne oder wir, die Zuschauer?
Die Tiger Lillies machen eine einmalige Show aus Varieté, Pop- und
Rockkonzert. Sie sind zeitlos, irgendwie aus der Zeit gefallen. Was ist das für
eine Zeit, in der sich eine Schlangenfrau vor den Musikern und ihrem
schmissigen Lied über eben diese Snakewoman so biegt, dass allein das
Zuschauen schon schmerzt? Egal. Denn es ist ein wohliger Schmerz, den der
Zuschauer verspürt.
Besungene High Heels
Die kurzen Lieder von Martyn Jacques (Gesang, Akkordeon, Klavier), Adrian
Stout (Bass und singende Säge) sowie dem Drummer Adrian Huge wechseln
von düsteren Balladen zur heiteren Polka. Da werden mit viel zu hoher Stimme
High Heels besungen und absonderliche Wesen vergöttert.
Die Tiger Lillies sind mit ihrer schrägen Show auf dem politisch korrekten
Tollwood ein ziemlicher Kontrapunkt - und ein herrlicher dazu. Ebenso wie Tom
Waits, dessen frühe Lieder denen dieses Trios ähneln, passen sie so gar nicht
vor ein situiertes Publikum. Denn das Trio aus Londons verrufenem Soho sucht
den Dreck, das Rotlicht von Hafenstädten, billigen Puffs, Kaschemmen, auf
denen sich verflossenes Bier mit Tränen auf der Theke vermischt. Und nun stellt
es diese kaputte Welt der Dreigroschenoper mit Kunstnebel im Halbdunkel in
den Zelten der Welt her.

Die Tiger Lillies zeigen eine verblüffend lebensfrohe Melancholie, selbst wenn
sie Zombies tanzen lassen, mit einem Schwert siamesische Zwillinge trennen,
eine Nymphe mit meterlangem Haar besingen und eine dicke Frau anbeten, die
mehrere Herzen haben muss, um ihr Schicksal zu ertragen. Das Publikum
reißen sie mit, lassen es mit den Füßen stampfen, mitsingen, mitklatschen. Die
Helfer des Trios verzaubern die Zuschauer durch hochgradig professionelle,
ebenso kraftvolle wie halsbrecherische Akrobatik.
Insgesamt wandeln die Tiger Lillies auf einem schmalen Grat zwischen
Schönheit und Hässlichkeit. Im Grunde sind sie eine einzige Provokation. Ihre
neueste Show aber treibt dieses Spiel, dass sie seit ihrer Gründung 1989 perfekt
beherrschen, auf einen grandiosen Höhepunkt. Es sind nur zwei Stunden, die
die Tiger Lillies da auf der Bühne verbringen. Aber sie sind einfach umwerfend.
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Morbide Lust
Die „Tiger Lillies Freakshow“ beim Tollwood-Festival
Nein, daß die Tiger Lillies sich neu erfunden hätten, kann man nicht
behaupten. Überraschen ist eher, wie sie es schaffen, aus einem begrenzten
Themenfeld über 20 Jahre hinweg immer wieder neue Funken zu schlagen.
Die neuste heißt „The Tiger Lillies Freakshow“ und ist nun erstmals in
Deutschland zu sehen, auf dem Tollwoodfestival.
Die Welt des Zirkus, der Gaukler, der Freaks, der Huren und kleinen Gauner
war schon immer das Thema der drei Londoner Musikanten. Angeführt von
dem Sänger und Akkordeonspieler Martyn Jacques und seinem
charismatischen Falsett-Gesang spielt das Trio eine Mischung aus Vaudeville,
Cabarett und Moritatengesang, und immer wieder meint , man. Ein bisschen
Weill und ein bißchen Brecht herauszuhören. Das ergibt eine zauberhaftgeheimnisvolle
Atmosphäre in einem Zirkuszelt, eine Melange aus
Melancholie und Verruchtheit, die stellenweise fast zum heulen schön ist.
Natürlich, das paßt gut zum Thema der „Freakshow“. Vor alle im 19.
Jahrhundert zogen die vom Jahrmarkt zu Jahrmark und zeigten dem
staunenden Publikum Absonderliches: verwachsene Menschen,
Kleinwüchsige, Mißgebildetete, die berühmte „Dame ohne Unterleib“, den
„stärksten Mann der Welt“ und dergleichen.
Der Regisseur Sebastiano Toma, der mit der Theatergruppe „Fliegende
Bauten“ bekannt wurde, hat nun zusammen mit den Tiger Lillies so ein Art
Freakshow zusammengestellt, mit eigens dafür geschriebenen Liedern. Und
mit Akrobaten. Da ist etwa die Schlangenfrau Alba, bei deren Auftritt dem
Zuschauer stellvertretend jeder einzelne Kreuzwirbel wehtut....oder das
kleinwüchsige Paar Irene und Roland Hofer und die Zwillinge Ele und Julia
Janke, die das Programm beschließen.
Das klingt nach Turnschau mit Musikbegleitung – ist es aber erfreulicherweise
nicht. Meistens wird die Akrobatik sehr zurückgenommen eingesetzt. Das ist
gut so, denn die Lieder der Tiger Lillies mit ihrer morbiden Lust und dem
Charme des Abseitigen leben ja auch von den Phantasien, die sie im Zuhörer
auslösen. Und dafür ist, Gott sei Dank, sehr viel Platz in den gut eineinhalb
Stunden.
Süddeutsche Zeitung – Münchner Kultur
Von Franz Kotteder
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Köstliches Kuriositätenkabinett
Dazu Eis-Installationen und eine Eislaufbahn, die ohne Eis funktioniert, ein
großes Basarzelt, ein "Weltsalon" genanntes Zelt allein für hochkarätig besetzte
Diskussionen über Klimaschutz- und Globalisierungsprobleme und – natürlich –
Glühwein in allen Geschmacksrichtungen. Schließlich ist ja auch Advent. Und
mittendrin das Theaterzelt "Grand Chapiteau" mit der ebenso bizarren wie
hinreißend präsentierten Deutschlandpremiere der "Tiger Lillies Freakshow".
Jahrmarktsstimmung in Londons Soho wie Anno dunnemals: bunte Lichterketten,
aus Spanholz gefertigte Minieisenbahnwaggons, aus denen – durch sichtbare
Klebestreifen zur Illusion geronnene – "siamesische Zwillinge" und eine halb
nackte "Wilde" mit den "längsten (Kunst-)Haaren der Welt" entsteigen. Dazu
Gaukler, Clowns, Zwergwüchsige, Schlangenmenschen und Akrobaten, deren
Knochen wohl aus Gummi bestehen. Hereinspaziert in dieses köstliche
Kuriositätenkabinett aus England: Auf geht’s beim Tollwood-Schichtl.
Am schrägsten freilich in dieser Freakshow sind die drei Musiker, die von
Vaudeville-Klängen über britische Folksongs bis zu schauerlichen Moritaten-
Weisen alle trivialen Musikstile ebenso beherrschen wie ein gutes Dutzend
Instrumente. Mag der Schlagzeuger der Opa-Generation (Adrian Huge), mit
Strohhütchen und gutmütigem Gesichtsausdruck als Doppelgänger von Heinz
Erhardt zum Schmunzeln animieren, so schmeichelt sich Martyn Jacques als
herrlich linkischer Frankenstein-Urenkel mit seinem dämonischen Charme und
der Falsettstimme in die Herzen des Publikums. Und als zum Schluss dieser
morbiden Varieté-Show zwei Mädels auf dem Trapez in ästhetischen
Verschlingungen zu einem einzigen Körper verschmelzen und ohne Netz durch
die Luft wirbeln, da stockte den Zuschauern der Atem.
Eine vom Off-Off-Kultregisseur Sebastiano Toma mit reichlich englischem Humor
auf die Bühne gezauberte Performance, die fasziniert. Ein verheißungsvoller
Auftakt des bis zum 31. Dezember dauernden Tollwood-Winterfestivals auf der
Münchner Theresienwiese.
Donaukurier
Von Hannes S. Macher
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Verblüffende Fähigkeiten
München „They stare at you - Sie starren auf Dich“. Sie, das sind wir, das
Publikum, starrend auf die zwergenhaften, dicken, haarigen, vielarmigen oder
akrobatischen Wesen, die sich auf der Bühne präsentieren. Die Tiger Lillies, drei
britische Musiker mit skurrilem Humor und mitunter schrägem Sound haben zur
Freakshow ins Tollwoodzelt geladen: Vorhang auf, für diejenigen, die jenseits der
Normalität sind - durch eine Laune der Natur oder wegen ihrer verblüffenden
Fähigkeiten.
Mit stehenden und hängenden Zirkuswägen, die als eigene Elemente in die Show
integriert sind, schafft Sebastiano Toma eine Erinnerung an das Jahrmarkt- und
Varietéleben im 19. Jahrhundert, fängt die Romantik, aber auch die Melancholie
des Nichtsesshaftseins ein. Vom Leid des Ausgestoßenseins singt auch Martyn
Jacques. Clownesk-dämonisch geschminkt, steht er wie seine Kollegen Adrian
Stout und Adrian Huge auf der Bühne, zu mitreißenden Balkanklägen oder düstren
Balladen lassen sie ihre Instrumente virtuos erklingen. Martyn Jacques ist der
Moritatensänger, der zumeist in Falsett das Schicksal der Freaks besingt.
Akustisch schwer verständlich, erschließt sich der englische Text nicht immer und
so bleibt der Wunsch, mehr zu erfahren, von der Liliputanterin auf
Stöckelschuhen, dem Mann mit den sechs Armen, dem Vampir oder den
Siamesichen Zwillingen. Wer mehr wissen will, kann sich dazu in der Pause einer
kleinen Ausstellung unter der Sitztribüne zuwenden. Auf der Bühne begleiten
Percussioninstrumente, Akkordeon oder auch eine singende Säge die
Erzählungen vom Anderssein. Nicht nur Melancholie ist in Text und Musik
eingefangen, Martyn Jacques schleudert dem Publikum auch die trotzige
Lebenslust der Freaks entgegen.
Die Freaks sind nicht nur Illusion in dieser Inszenierung: Zwei Kleinwüchsige
eröffnen den Reigen der Andersartigkeit. So wird der Zuschauer von Beginn an
auch ein wenig zu einem Voyeur, der wie einst vor den Zirkuswägen mit wohligschaurigem
Gruseln die zur Schau gestellten Wesen betrachtete. Und er wird
erfasst von der Magie akrobatischer Fähigkeiten, die in Zusammenspiel mit der
Musik der Tiger Lillies ihren ganz eigenen Reiz entfalten. Da gibt es die
Schlangenfrau, die sich zu unglaublichen Körperhaltungen verwindet und um den
Sänger schlängelt oder den urkomischen Jongleur und Hundephobiker, der vom
Bellen der Musiker verschreckt mit Hut, Brille und rotem Ball balanciert. Eine
wunderschön traurige überlebensgroße Marionette stellt einen Mann mit sechs
Armen dar, dessen Geschichte sich auch in der Ausstellung findet.
Bleibt die Inszenierung in der ersten Hälfte noch etwas verhalten, gewinnt die
Vorstellung nach der Pause ungeheuer an Dynamik und Poesie. Seltsam
berührend beispielsweise die Szene mit der dicken Rosa, deren drei Herzen doch
nicht den Schmerz des Lebens ertragen. Ein atemberaubendes, wunderschönes
akrobatisches Finale, dessen Inhalt hier nicht verraten werden soll, setzt den
Schlusspunkt an diesem skurrilen Zirkusabend
Landsberger Tageblatt
Von Stephanie Millonig
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Direkt aus Soho
Zurück zu den Wurzeln: „The Tiger LilIies" bei Tollwood

Jahrmarkt, poetisch-skurrile Schaubude, Schlangenfrauen, wendige, klein
gebliebene Menschen und der schräge Brit-Bänkelsänger Martyn Jacques mit
seinen Musikern Adrian Stout und Adrian Huge, das ist „The Tiger Lillies
Freakshow“: Zirkus mit „armen“ Mitteln und musikpralles Vaudeville wie direkt aus
Londons Soho vor hundert Jahren. Mit diesem Auftakt geht Münchens Tollwood
Festival zurück zu seinen Wurzeln – und ist damit ganz wunderbar authentisch (im
Grand Chapiteau) .
20-jähriges Bestehen feiern die Tiger Lillies schon – ihre provokativ-verwegen
musikalische Aura ist kein bisschen angewelkt. Combo-Chef Martyn Jacques. Der
all diese herrlich schrecklichen Lieder aus der Gruft der Abnormalitäten singt- von
der dicken Rosa mit den drei Herzen, vom beinlosen, bluttrinkenden Flipper Boy
und anderen grausigen ungestalten Wesen, ist natürlich der magnetische
Mittelpunkt des Abends. Grell geschminkter Marktschreier-Clown mit Akkordeon,
girr er hoch im Falsett, verraucht und verknarzt die Worte, bellt rhythmisch
dazwischen und kann plötzlich am Klavier auch ganz zart lyrisch werden. Die
beiden Adrians „Dick & Massig“ an Baß, Gitarre, singende Säge und Schlagzeug
geben Jacques´ Vortrag, mal mehr folkig, mal mehr aufgerauht rockig, noch ein
Stück mehr Klangdichte. Und das ist insgesamt der Charme des Abends, daß sich
alle und slles gegenseitig ergänzen und abrunden.
Regisseur Sebastiano Toma hat genau die richtige Atmosphäre getroffen und mit
seiner schummrige Bühne aus chaotisch arrangierten Mini-Zirkuswohnwägen und
dem Einsatz der mitwirkenden Artisten: jetzt clownig-schüchterner Jongleur, dann
(mit zusammengenähtem Kleid) siamesische Zwillinge oder eine Über-Rapunzel
mit wildwuchernder Haar-Gardine. Und zwischendurch zwei Kleinwüchsige im
flotten Reveu-Tanz. Immer haben diese Szenen einen Bezug zum Liedinhalt,
bleiben dabei unspektakulär bescheiden. Nur zum Schluß legen die blutjungen
Zwillinge Ele und Julia Jahnke einen tänzerischen Trapez-Akt hin, daß einem der
Atem stockt. Was diesen Tiger-Musikfreaks an diesem Abend gelingt, ist, uns
blenden zu unterhalten und gleichzeitig zur Erkenntnis zu bringen, daß Freak-Sein
etwas ganz Normales ist.
Münchner Merkur
Von Malve Gradinger
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Mysteriöser Zirkus
München Man kennt es vom Oktoberfest, meist jedoch, obwohl es das Zelt immer noch gibt, aus Erzählungen der Großeltern. Es ist ein Relikt aus der guten alten Zeit, als es den modernen Fahrbetrieb noch gar nicht gab. „Auf geht’s beim Schichtl“ hieß es damals, wenn dort zur Wiesnzeit die „Frau ohne Unterleib“ oder die „Enthauptung einer Person auf der Guillotine“ für Aufsehen sorgten. Eine solche Show – und doch ganz anders – bietet „The Tiger Lillies Freakshow“ im Prinzregententheater in München. Eine Schlangenfrau, Kleinwüchsige, Frauen mit drei Herzen und die wunderbar schräge Musik von Martyn Jacques begeistern das Publikum. Eine Reise in die Welt der Freaks, der Menschen am Rande der Gesellschaft, eine Reise auf die Jahrmärkte Ende des 19. Jahrhunderts.
Siamesische Zwillings-Tänzerinnen im roten Abendkleid, eine nackte Tänzerin nur bekleidet mit den längsten Haaren der Welt, Kleinwüchsige in Ringelhemden und eine riesige Marionette mit sechs Armen gibt es dort zu bestaunen. Die „Tiger Lillies“ kennt man in Landsberg, sie waren mit den unterschiedlichsten Programmen im Landsberger Stadttheater zu Gast.
Sie bieten stets mehr als nur Musik, ihre Show ist immer bunter, ein Theater für alle Sinne. Grell geschminkt und maskiert erzählen Martyn Jacques (Gesang), Adrian Stout (Kontrabass) und Adrian Huge (Schlagzeug) Geschichten aus dem Seelenleben dieser Freaks: ihre Leiden und Laster, ihre Arbeit und ihr Vergnügen daran, Menschen zu unterhalten. Sänger Jacques trägt dicke weiße Theaterschminke und einen riesigen, geschminkten schwarzen Mund, mit dem er alles zu verschlingen scheint.
Er führt mit seinen Liedern durch diese düstere Welt, singt tief und dunkel, danach sofort wieder seinen typischen Falsett und spielt sein Akkordeon scheinbar wie nebenbei. Ihre Songs klingen melodisch, die Texte sind meist böse und hinterhältig, in der Freak-Show sogar eher melancholisch. „Reichen sechs Arme aus, um einen Menschen zu trösten?“, „Wie viele Herzen muss eine Frau haben, um all ihr Schicksal zu ertragen?“ Die Makel der Seele, des Geists und auch des Körpers – hier werden sie thematisiert und versetzen die Zuschauer im Prinzregententheater in Erstaunen.
Ein Tanz in der Luft
Wie viele rote Nasen muss man aussetzen, um lustig zu sein? Die Frage, ob wir nicht alle Freaks sind, stellt sich in diesem mysteriösen Zirkus der Sinne. Bemerkenswert auch die Leistungen der anderen Akteure. Albana Kukli als biegsame Schlangenfrau, Julia und Ele Janke als siamesische Zwillinge mit ihrem Tanz in der Luft und Hut-Jongleur Lorenzo Mastropietro.

Landsberger Allgemeine - Von alexandra Lutzenberger

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Freakshow“ im CAPe luxemburg 
Poetisches Kuriositätenkabinett
„The Tiger Lillies“ laden zu einem Jahrmarktbesuch der besonderen Art


Ein klein bisschen Dreigroschenoper, eine Prise Tod Browning und noch ein Schuss Tom Waits dazu – so ungefähr könnte man den erfrischendandersartigen, als „The Tiger Lillies“ bekannten musikalischen Cocktail beschreiben. Am Samstagabend gastierte das britische Trio – tatkräftig unterstützt von sieben weiteren Künstlern – mit seiner „Freakshow“ im Ettelbrücker CAPe und erinnerte das Publikum daran, dass Schönheit im Auge des Betrachters liegt, und „anders“ auch „wunderbar einzigartig“ bedeutet.
Nur die Allerwenigsten erinnern sich noch an die vor nicht so allzu langer Zeit auf den Jahrmärkten – ja selbst der hiesigen „Schueberfouer“!"– anzutreffenden Kuriositätenkabinette, in denen der Besucher hinter dicken Samtvorhängen die Bekanntschaft von Kleinwüchsigen, der Schlangenfrau oder dem Torso-Mann machen konnte. Heute ist diese Art von „Freaks“ – politische Korrektheit „oblige“ –
weitestgehend von der Bildfläche der Öffentlichkeit verschwunden, und allein ihre Erwähnung löst meist schon vorwurfsvolles Stirnrunzeln aus. Ihre irgendwie kathartische Rolle haben indes gewöhnliche Zeitgenossen übernommen, die in den unendlichen Weiten des World Wide Web ihre hinter der Hochglanz-Fassade der Normalität schlummernden, inneren Abgründe zur Schau stellen. Mit ihrer noch bis zum 6. Februar in Berlin gastierenden „Freakshow“ lud das britische Trio „The Tiger Lillies“ nun am Wochenende im CAPe zu einer Begegnung auf Augenhöhe mit „Freaks“ ein, die äußerlich vielleicht anders scheinen mögen, doch mit denen uns weitaus mehr verbindet denn
trennt. Was stimmlich mit „krächzend“, gar „schrill“, eher negativ gemeint ist, findet hier seinen schlüssigen Platz in einem außergewöhnlich poetischen Gesamtbild in dem was für gewöhnlich als „schön“ sprich harmonisch, empfunden wird, einer umso ergreifenden Einzigartigkeit den Vortritt lässt.
Unbeschreiblich und betörend ist auch die Musik, bei der Schlagzeuger Adrian Huge und Kontrabassist Adrian Stout Küchenutensilien, einen geisterhaften Theremin oder aber eine wehmütig singende Säge zum Einsatz bringen. Ob am Akkordeon, Klavier oder Ukulele, Sänger Martyn Jacques – mit weiß getünchter Fratze und tiefschwarz umrandeten Augen, wie ein moderner Vetter der antiken Sirenen anmutend – vermag es das Publikum mit den eingängigen Rhythmen seiner Kompositionen zu fesseln und versteht es meisterlich, von mitreißend-melodisch bis beschaulich-melancholisch die Bandbreite packend abwechslungsreich zu gestalten.
Grazie statt Schönheit-
Selten klingt grauenhaft Grausames so reizend, Anmutiges so traurig. Unmöglich von der bildgewaltigen Poesie, die irgendwie Reminiszenzen an Wenders „Himmel über Berlin“ weckt, nicht berührt zu sein! Plötzlich werden Wohnwagen aufgeklappt und geben ihr verborgenes Innenleben preis: Der sechsarmige Max, die üppige Rosa mit den drei Herzen oder die barbusige Amanda mit schier unendlich langem Haar haben nichts Anrüchiges, gar Schockierendes. Fast unmerklich vollzieht sich ein Wandel, der den äußeren Betrachter zum vollwertigen Mitglied einer Gemeinschaft macht. Besonders ausgewogen, und demzufolge gelungen, präsentierte sich in der Inszenierung des Belgiers Sebastiano Toma das Zusammenspiel von Musik und akrobatischen Einlagen. Es gelingt Toma beide gleichberechtigt auf der Bühne existieren zu lassen, was dem Zuschauer die Freiheit gewährt, Kapitän seines Schiffes zu bleiben und selbst zu entscheiden, welches Ufer er wann ansteuern möchte.
Sorgen Jongleur Matthias Romir und die kleinwüchsigen Irene und Roland Hofer für ausdrucksvollen Humor, so hält man bei den Trapezeinlagen von Julia und Ele Janke und den schier unmöglichen Verrenkungen der Schlangenfrau Andreane Leclerc den Atem an. Dabei überwiegt bei allen – Musikern und Artisten – das Gefühl einer feinsinnigen Grazie, die aus dem tiefsten Inneren der Seele strahlt und tausendfach berührender als oberflächliche Schönheit ist. Ebenso tosender wie herzlicher Applaus, eine „Standing ovation“ und der Ansturm auf die im Foyer zum Verkauf stehenden CDs, die die Musiker bereitwillig signierten, bewiesen am Ende des Abends, dass man dem Luxemburger Publikum mit ungewöhnlichen Produktionen wie dieser „Freakshow“ durchaus mehr zumuten darf als die gewohnte – zwar für Organisatoren sichere – doch leider
oftmals leichte Kost. Mut wird glücklicherweise doch noch belohnt
– zumindest in Ettelbrück!
VON VESNA ANDONOVIC
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 THE TIME BETWEEN
FABRIK POTSDAM
In der fabrik hat am Freitag das Stück „the time between “ Premiere: ein „Seitensprung“ in die Artistik
Die Zeit flieht. Und um so älter man wird, um so schneller scheint sie davon zu rasen. Sebastiano Toma ist 52 und entzieht sich bewusst der Hatz des Alltags. Er hat inzwischen die Gabe, sich auf den Moment zu konzentrieren, genießt die Sonnenstrahlen, die gerade in die fabrik-Küche hinein scheinen ebenso wie die Stunden, die er mit seinem Sohn und seiner Frau verbringen kann. „Mit zunehmendem Alter spürt man die Endlichkeit des Lebens. Doch um sie richtig zu begreifen, mussten erst böse Krankheiten durchlitten werden und beide Eltern sterben“, sagt der italienische Theatermann.

Seit zwei Jahren versucht er, auch künstlerisch die Zeit einzufangen: Entstanden ist in dieser Auseinandersetzung das Stück „the time between“, das am Freitag in der neuen fabrik-Reihe „Seitensprünge“ Premiere hat.
Wie aber lässt sich Zeit sinnlich fassen und für andere fühlbar auf die Bühne bringen? Der Regisseur bedient sich dabei eines sehr luftigen Mediums, in dem es aber um die Genauigkeit einer Millimetersekunde geht: dem Tanz auf dem Seil und der Jonglage. Ist man dort nur einen kurzen Moment unachtsam: tritt oder greift man daneben. Es folgt der Fall in die Tiefe.
Marie Seeger, Silea Adalwolf und Thomas Dürrfeld – alle drei Absolventen der Staatlichen Ballettschule und Schule für Artistik Berlin – sind etwa halb so alt wie der Regisseur. „Dennoch konnten auch sie viel mit dem Thema Zeit anfangen, auch wenn sie es vielleicht anders besetzen. Für sie geht es mehr um die Angst, den richtigen Moment für die Karriere zu verpassen.“
Dinge, die für Sebastiano Toma im jugendlichen Alter ebenso wichtig waren. Damals tourte der in Deutschland und Italien aufgewachsene gebürtige Belgier mit seinen „Fliegenden Bauten“ durch die Welt. Rastlos – von einem Aufführungsort zum nächsten. Das Zelt als mobile Herberge. Das Theaterspiel erlernte er durch Selbsterfahrung, durch Kurse und die Arbeit mit verschiedenen Regisseuren. Irgendwann war er dann selbst Regisseur und Bühnenbildner dazu. „Es war eine richtige Kollektivzeit, jedes Mitglied der Fliegenden Bauten hatte seine Spezialität.“ Kurz nach der Wende löste sich die Gruppe, die auf dem Gelände der Kampnagel-Fabrik Hamburg ihr Winterquartier hatte, auf. Mit einem dreiwöchigen Festival für Kabarett und Theater in Dresden gab es ein Finale mit Pauken und Trompeten. „Wir waren durchaus noch erfolgreich, spürten aber, wenn wir jetzt weitermachen, wiederholt sich etwas. Also trennten sich unsere Wege.“
Heute ist Sebastiano Toma Produzent und Regisseur. „Ich denke mir neue Sachen aus und begeistere andere dafür.“ So wie bei „Tiger Lillies Circus“ oder der auf dem Fringe Festival in Edinburgh ausgezeichneten Produktion „Balagan“. „Auch dort wirkten schon Thomas und Marie mit, die ich als Jurymitglied bei einem Festival auf Sylt kennenlernte. Ich hatte immer eine Ader für artistische Elemente und meine Arbeiten sind meist sehr bildhaft.“
Für „the time between“ durchlief die Gruppe einen langsamen Reifeprozess. Das war auch dem Umstand geschuldet, dass alle noch in anderen freien Projekten stecken. „Zuerst haben wir aus der Retorte gearbeitet und es entstand eine bunte Collage. Dann haben wir alle Nummern wieder aufgelöst und neu zusammengefügt. Diesmal zur Musik, die der Ukrainer Mark Chaet minutiös auf jede der Szenen schrieb. Dadurch bekam das Ganze eine Farbe und eine Handschrift. Sein Soundtrack ist maßgebend für die Produktion, an der noch zwei weitere Musiker beteiligt sind.“ Sebastiano geht es vor allem darum, Kontraste zu zeigen: zwischen Rasen und Verharren. „Wenn man Zeit mit der Natur erlebt, hat sie etwas Romantisches. Doch seit es Uhren gibt, haftet ihr auch etwas Brutales an, wie das Stechen der Zeit. Ist man nicht pünktlich, folgen oft Strafen. Die schönen Momente wollen wir indes verewigen. Und oft schießen wir dafür Fotos in Hülle und Fülle. Aber wir haben nicht zwei Mal die Zeit, das Leben anzuschauen.“ „the time between“ will keine Geschichte erzählen, eher die verschiedenen Facetten von Zeit fühlen lassen. „Ich bin mir ganz sicher, dass es auch in dem Stück einige Momente gibt, in denen man verweilen und die man wiederholen möchte.“
Mit „Seitensprung“ startet die fabrik eine Reihe, die zum lustvollen Sprung ins Ungewisse – abseits des Tanzes – einlädt. Zum Auftakt also zu einem Sprung zwischen die Zeit.
Premiere: Freitag, 18. Januar, 20 Uhr; weitere Aufführung: 19. Januar, 20 Uhr.
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THE TIGER LILLIES CIRCUS
The Tiger Lillies & Tiger Lillies Circus - Festhalle Viersen 26. November 2008

Die schräge Londoner Kultband The Tiger Lillies ist schon an sich eine eigenwillige und deswegen absolut sehenswerte Formation. Auf Vergleiche wird man verzichten müssen, denn die Musik, Klang gewordener schwarzer, britischer Humor, erinnert die Fangemeinde an "Monty Python meets The Pogues", "Tom Waits auf Helium" oder wird schöner als "Brecht'sches Zigeuner-Kabarett" bezeichnet.

Seit 1989 jagt Countertenor und Songschreiber Martyn Jaques mit seinem Akkordeon und dem prägnanten Falsettgesang herrliche Gänsehaut in die Gehörgänge des Lauschenden. An seiner Seite stehen ihm Adrian Stout mit Bass und singender Säge und Adrian Huge an Schlagzeug und Perkussion. Drei aus dem Horrorkabinett entflohene Clowns in Gehrock und Melone, die ihren Auftritt mit Genuss inszenieren. In ihren Liedern geht es um die Abgründe, in die man zu gerne schaut: Liebe, Leiden, Tod, Verfall, Schuld, Verbrechen, Wahnsinn. Geschichten von denen, die sich am Rande der Gesellschaft befinden, von Freaks und Monstrositäten.

Die Alben der Tiger Lillies zeigen immer wieder einen starken Bezug zur Literatur, z.B. Shockheaded Peter (Struwwelpeter), The Little Matchgirl (Das Mädchen mit den Zündhölzern von H.C. Andersen) oder die DVD "Mountains of Madness", die den Konzertmitschnitt der Premiere vom 15.8.2005 in Berlin zeigt. Die Musik bezieht sich inhaltlich auf die fantastischen Geschichten von H.P. Lovecraft, dem Meister des Makaberen. Zum Konzept der Show gehören auch die düsteren Bilder der amerikanischen Künstlerin Danielle de Picciotto und die Soundlandschaften von Alexander Hacke (Einstürzende Neubauten) zwischen den einzelnen Songs.

Seit zehn Jahren touren die drei Engländer zusätzlich mit ihrem eigenen Zirkus durch die Welt. In Zusammenarbeit mit dem Zirkus Fliegende Bauten (Hamburg) entwickelte Sebastiano Toma das Konzept dieser Musiktheaterproduktion. Die bittersüßen Melodien der Tiger Lillies werden auf wunderbare Weise von beeindruckenden Varieténummern internationaler Artisten und passenden stimmungsvollen Projektionen begleitet. Die Welt des Berliner Varietés und Kabaretts der 20er und 30er Jahre erwacht zu neuem Leben.

Die letzte Vorstellung für dieses Jahr in Deutschland fand vergangenen Mittwoch in der Viersener Festhalle statt. Die Darbietungen sind klassisch und deswegen so schön: Akrobatik, Kontorsion, Hula Hoop, Jonglage und das Vertikaltuch. Bewusst hat Regisseur Sebstiano Toma eine Drehbühne eingebaut, um das traditionelle Element, den Kreis aufzunehmen. Das so entstandene Gesamtkunstwerk erzählt Geschichten nach Art der Tiger Lillies über jene, die ein kurzes Leben und ein grausames Schicksal erwartet und erweckt beim Publikum eine träumerische Sehnsucht nach vergangenen, poetischeren Zeiten. Sie ernten entsprechenden Applaus und Standing Ovations.

Die Vorstellung ist intensiv und viel zu schnell vorbei. Leider sind vorerst auch keine weiteren Termine in Deutschland angekündigt. Einziger Wehmutstropfen: Die Pause in der Mitte der Vorstellung kommt bedauerlicherweise so plötzlich und unangekündigt, dass ein verunsicherter Teil des Publikums die Halle vorzeitig verlässt und so den zweiten spannenden Teil der Show verpasst.

Wer die Tiger Lillies oder ihren Zirkus bislang noch nicht gesehen hat, dem sei empfohlen auf der Homepage der Band Ausschau nach neuen Terminen zu halten und auch eine kleine Reise  nicht zu scheuen. Denn diese Kunst ist so sehenswert, wie selten anzutreffen.

Miriam Strehl
Presse BALAGAN
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